Dieser Artikel ist aus dem Jahr 2012. Wenn Sie aktuellere Informationen zur AMI, AMITEC, AMICOM und AMISTYLE suchen geht es hier zur Startseite.

Unterwegs mit Audis Herkules-Q5

Auf der AMI feierte der überarbeitete Audi Q5 seine Premiere. Während sich am äußeren Erscheinungsbild des SUV nur wenig verändert hat, gönnten die Ingolstädter ihrem Bestseller bei den Motoren eine ordentliche Kur: Die normalen Maschinen sind bis zu 15% spritsparender, und als Top-Modell krönt man den Q5 mit dem ersten Diesel-Reihensechszylinder der Audi S-Reihe zum Audi SQ5 TDI. Ein Fahrbericht.

Über Design kann man reden. Debattieren. Streiten. Über das eines Audis vielleicht sogar am meisten. Denn Audi pflegt wie kein anderer Hersteller eine Linie, ein Gesicht, eine Form. Einen Audi soll man als Audi erkennen, über alle Baureihen hinweg. Im Rückspiegel spielt weniger die Rolle, ob man erkennt was für ein Audi da kommt, als vielmehr, das es einer ist.
Die Gleichheit des Gesichts ist bei den Fans nicht unumstritten – der eine findet die sichtlich zusammengehörende Familie gut, der andere sieht zu wenig Differenzierung zwischen A3, A4, A5, A6 und A8.
Hier kommt Differenzierung.
In Form von Größe. In Form von Bulligkeit. In Form des neuen Audi Q5.

Auch wenn er das typische Audi-Gesicht trägt – großer, dominanter Grill, schräge rechteckige Scheinwerfer – ihn erkennt man, ihn unterscheidet man. Aufgrund seiner Größe, seiner Statue.

Es ist nicht allzu lang her, dass Audi seinen Mittelklasse-SUV vorstellte. Seit dem hat er sich bewährte, schlägt bei den Absatzzahlen die Wettbewerber, die dieses Segment erst erfunden hatten und liegt heute in den Zulassungszahlen vor BMW X5 und Mercedes GLK.
Auf der Auto Mobil International (AMI) Anfang Juni in Leipzig stellte Audi die überarbeitete Version seines Q5 vor. Eine Auffrischung, oder “Facelift”, im Autodeutsch. Sie wertet den mächtigen SUV nochmals auf – mit frischen Design-Akzenten, überarbeiteten Motoren und einem neuen Spitzenmodell – dem ersten S-SUV mit einem Diesel als Herz.

AMI Blogger Thomas war bei der internationalen Pressevorstellung des Audi Q5 in München und fuhr mit dem neuen SQ5 – ein Fahrbericht.

Wo fühlt der sich eigentlich daheim? In der Großstadt? Auf dem Land? In den Bergen?
Man weiß es als Fahrer nicht so genau. Hoch, bequem, Allrad und mächtig Power unter der Haube. Ein Allzweck-Auto, dieser Audi. Das sieht man bei Audi auch so und hält die internationale Pressepräsentation des Modells auf dem Flughafen München ab – 40 Kilometer vor den Toren des Landeshauptstadt. Urbanes Umfeld in 40 Kilometern entfernt, rundherum Dörfer und Land.

Ich steige ein. Im Radio besingt Lana Del Rey die ‘Summertime Sadness’ – dabei scheint heute ausnahmsweise mal die Sonne in diesem verregneten Sommer. Perfektes Wetter also, um mit diesem Audi hier einmal ins Umland zu fahren, und zu spielen.

Der SQ5 TDI quattro, in dem ich Platz nehme, ist das neue Spitzenmodell an der SUV-Front von Audi. Satte 230 kW (313 PS) zwingt man aus dem Sechzylinder Drei-Liter Sechszylinder, produziert 650 Nm, die in einem Drehzahlbereich zwischen 1.450 und 2.800 Umdrehungen pro Minute anliegen – den Diesel merkt man hier nur an der Tankstelle. Ein S-Diesel. Bis vor einiger Zeit noch nicht vorstellbar, jetzt feiert er Premiere im Audi. Das ist am Ende aber nur konsequent – nicht nur, weil BMW erst vor wenigen Monaten das erste Reihensechzylinder-Diesel-Aggregate aus dem Hause BMW M vorgestellt hat, sondern auch, weil die meistverkaufte Motorisierung des Q5 eben Diesel sind.

Raus geht es aufs Land. Im normalen Verkehr gibt sich der SQ5 hochwertig – er liegt satt auf der Straße, überzeugt durch hohe Verarbeitungsqualität. Der V6 bollert kernig vor sich hin – nicht nur aus eigener Kraft übrigens, über ein Soundsystem, zwei Lautsprecher und dem richtigen Endtopf wird aus dem Sechszylinder ein Sound moduliert, der die sportliche Note des Audi SQ5 TDI mit dem richtigen Sound betont – aus dem V6 wird so ein gehörter V8. Von Diesel-Nageln oder Fahrtwind wird man als Fahrer übrigens verschont – die Dämmung des Audi SQ5 TDI ist hervorragende Arbeit – bis die Nadel auf der 160 im Tacho zeigt, hört man von diesem Audi kein negativ wahrgenommenes Geräusch, ab 160 km/h kommt dann langsam leiser Fahrtwind hinzu, der selbst bei 230 km/h keine ohrenbetäubenden Ausmaße annimmt.

Auf dem Weg vom Münchener Flughafen zur Autobahn schwimmt man im Verkehr mit, kann die bequeme Seite des Fahrzeugs kennen lernen. Und dann kommt der Spaß: Rauf auf die Autobahn, danach eine Strecke über kurvige Landstraßen. Hier spielt der V6 seine Karten aus.
Hier spurtet der 1,9 Tonnen schwere Citycowboy wie entfesselt los.
Den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft der SQ5 in 5,1 Sekunden. Damit macht er so manchen ausgesprochenen Sportler nass – zum Vergleich: Der Toyota GT 86 benötigt für den selben Sprint immerhin 7,6 Sekunden.
Natürlich ist die Frage, wann man diese Leistung nun wirklich benötigt. Abrufen kann man sie jederzeit – dank zweier Turbos, Allrad und Sportfahrwerk interessiert den Audi weder, in welchem Drehzahlbereich der Motor gerade agiert, noch, auf welcher Straße man unterwegs ist. Einzig, das zuweilen etwas behäbige Automatikgetriebe kann den Gasfuss abhängig von der gewählten Fahrautomatik kurz am Sprint hintern. Die Schaltarbeit übernimmt ein Achtgang-Tiptronic-Getriebe, weil das gefühlt bessere Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe den hohen Drehmoment nicht aushalten würde, sagt Audi. Dieses ist an ein Start-Stopp-System gekoppelt und lässt sich per Knopfdruck in einen S-Modus versetzen. Problem nur: Das ändert an der teilweise verzögerten Reaktion nicht viel. Zum Glück aber gibt es diese schicken Schaltwippen am Lenkrad. Nutzt man die, oder hat man einmal raus, wie viel Druck aufs Gaspedal ohne Einmischung der Automatik möglich ist, möchte man aus diesem Auto nicht mehr raus – oder besser: Mit ihm nicht mehr von der Autobahn.
Was für ein Spaß: Sportflitzer scheuchen. Oder zumindest mit ihnen spielen – links ran kommen lassen und davonziehen. Der SQ5 dürfte für so manch verdutzten BMW 6er- oder Mercedes SLK-Fahrer sorgen …

Zurück auf dem Flughafen steigt man mit einem dicken Grinsen im Gesicht aus. Schaut den SQ5 noch einmal an und denkt unweigerlich an die Wolf-im-Schafpelz-Metapher. Hier kommt eher ein Wolf im Bärenfell. Und dann beim “Kaffee danach” fängt man an, darüber nachzudenken, wer dieses Auto jetzt eigentlich braucht? Oder will?
Mindestens 58 500 Euro muss man für das neue Topmodell ausgeben. Da sind Extras wie die Schaltwippen am Lenkrad noch nicht dabei, ebenso wenig wie ein Headup-Display, dass es für den Q5 im Gegensatz zum BMW X3 überhaupt nicht gibt. Die Informationen in die Frontscheibe projizierenden Displays kommen bei BMW auf eine unschlagbare Kundenzufriedenheit von 100%, bei Audi hat man die Entwicklung aber über Jahre verschlafen. Dass das Kunden nicht am Kauf des Q5 hindert, beweisen die Verkaufszahlen, trotzdem müssen sich die Ingolstädter das aber natürlich ankreiden lassen – nicht nur an dieser Stelle hier.

Um zurück zu kommen: Wer kauft dieses Auto?
Insgesamt 2000 Exemplare will Audi vom SQ5 pro Jahr verkaufen. In Anbetracht der Fahrleistung und des Gesamtpaketes sicherlich kein zu ehrgeiziges Ziel. Als Käufer kommen hier vorrangig natürlich Menschen in Betracht, die neben dem praktischen, sicheren und erhabenen Gefühl des SUV auch Spaß haben wollen. Und gerade den bietet der V6 mehr als ausreichend, auch wenn der eben am Ende aus dem SUV keinen Sportler macht, aber immerhin einen Stemmer. Förster mit dem notwendigen Kleingeld, Großstadt-Cowboys und – so böse das klingen mag – Männer in der Midlife-Crisis: Hier ist euer Auto! Greift zu!

Fahrberichte von Autobloggern zum Audi Q5, Audi Q5 Hybrid oder Audi SQ5 TDI:
Thomas Gigold, box.gigold
Mario-Roman Lambrecht, Fanaticar
Sebastian Bauer, Passion Driving
Bjoern Habegger, mein Auto Blog
Ralf Bernert, exclusive life
Ennos Reddies, QARSI
Fabian Meßner, Autophorie
Thomas Endriß, greenmotorsblog
Nicole Y. Männl, Auto-Diva
Erkan Dörtoluk, uberautos
motoso.de


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