Neben Trabant und Wartburg prägte er das Bild des Straßenverkehrs in der DDR, wie kaum ein anderes Fahrzeug. Selbst Skoda und Moskvitch waren seltener vertreten als er. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands rutschte er schnell ins Vergessen ab. Zumindest hierzulande. Wesentlich seltener als seine in der DDR produzierten Kollegen sieht man ihn heute noch.
Den LADA 2101 bis 2107.
Es war eine auf den ersten Blick reichlich seltsame Liaison, die den Auftakt der Geschichte zum LADA 2101 bildet. Sie beginnt nämlich, wie ein schlechter Witz: “Treffen sich ein Italiener und ein Russe.”
Ende der 1960er Jahre schlossen die Oberen des FIAT-Konzerns und die russische Regierung ein Geschäft ab: Die Italiener bekamen günstigen Stahl für den Bau ihrer Autos und überliessen dem russischen Staatskonzern AvtoVAZ dafür die Konstruktionspläne und Genehmigungen für den Bau einer Kopie ihres FIAT 124. Und so bauten die Italiener in der UdSSR eine Autostadt und bekamen Stahl.

Der FIAT 124 war für FIAT übrigens ein aussergewöhnliches Auto. Selbst bauten die Italiener die kleine Limousine nur zwischen 1966 und 1974, verkauft haben Sie das Design und Baupläne jedoch in die ganze Welt. Und so gibt es zum Beispiel von SEAT oder dem indischen Autobauer Premier Automobiles Limited ebenso exakte FIAT 124-Kopien, wie von Werken in Ägypten, Südkorea oder Bulgarien.
Der bekannteste Klon jedoch ist der LADA.
Er hat seinen Vater nicht nur in der Langlebigkeit der Produktion überholt, sondern auch im Bekanntheitsgrad.

Seit 1970 baut AvtoVAZ das Fahrzeug. Und das noch immer größtenteils unverändert – sieht man einmal von dem kleinen Facelift und der Änderung der Produktionskennung Anfang der 1980er Jahre ab. Damals ersetzte man die runden Scheinwerfer durch eckige und verbreiterte die Angebotspalette um einige Modelle, die alle samt auf dem Ursprungsfahrzeug basierten.
Der Lada 2101 ist heute der 2107.
Bis jetzt.
Denn die Geschichte des nach dem VW Käfer und Ford Model T meistproduzierten Autos der Welt endet hier.
Nach 42 Jahren Produktionsdauer und über 14 Millionen Fahrzeugen.
Eigentlich hätte sie bereits vor zwei Jahren ein Ende finden sollen. Da bäumte sich der 2107 jedoch noch einmal auf, erlebte mit 136.000 verkauften Exemplaren in Russland noch einmal einen zweiten Frühling. Jetzt jedoch ist Aus. Im letzten Quartal sackten die Absatzzahlen auf einen neuen Minusrekord.
Ein jeder hat seine Zeit. Die des LADA 2107 war die der letzten 42 Jahre.
Die Nachfolge der automobilen Legende tritt der Lada Granta an.
Der Neue basiert zu einem Großteil auf Renault-Technik. Die Franzosen haben in den letzten Jahren – wie bereits bei Dacia – viel im Osteuropäischen Absatzmarkt investiert, halten aktuell rund 25 Prozent der Anteile am LADA-Hersteller. Sie wollen nach dem Dacia mit dem Lada nun das günstigste Auto Europas verkaufen.

Dabei wird der Granta zeigen müssen, ob er den Qualitäts- und Platz-Ansprüchen insbesondere der westeuropäischen Nationen Gerecht werden kann. Seinen Hauptabsatzmarkt wird er auch weiterhin in Russland und Vorderasien haben.
Die 4,26 Meter lange Limousine verzichtet auf “technischen Schnick-Schnack” und wird von einem 1.6-Liter-Renault-Aggregat angetrieben. Ihr Bewegungsende findet die Tachonadel bei 167 km/h, in den Kofferraum passen immerhin 480 Liter. Haben wird man den Lada Granta bereits für 5.800 Euro können.
Wer ihn sich anschauen will – auf der AMI feiert er seine Europapremiere.